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Kickboxen heißt: An sich glauben

Kieser Training-Instruktorin Janika Gerberding hat sich beim Kickboxen schon einige Male ein blaues Auge geholt – und findet Handball trotzdem gefährlicher.

Name: Janika Gerberding

Geburtsdatum: 07.09.1987

Beruf: Instruktorin, Kieser Training Hannover, nebenbei Fernstudium zur Fitness-Ökonomin

Kraft bedeutet für mich: den Alltag meistern zu können.

Janika Gerberding muss einiges einstecken, an diesem Tag auf Kreta. Die Beine ihrer Gegnerin schnellen hoch, immer wieder. Und sie treffen Gerberding – an der Brust, am Bauch, an den Flanken. Sie hält gegen, trotz einer Verletzung am Fuß. Ihre Stärke ist das Boxen, immer wieder zielt sie mit ihren Fäusten in Richtung der Gegnerin. Drei Jahre liegt diese Begegnung zurück. Die beiden Frauen trafen beim Finale der Amateur-Weltmeisterschaft im Kickboxen aufeinander. Sie kämpfen Leichtkontakt, das heißt, auf der Matte und nicht im Ring und mit weniger harten Schlägen. Nicht der K.o.-Schlag zählt, sondern die Anzahl der Treffer. Beide Frauen tragen Kopfschutz, der vorschriftsmäßig auch Stirn, Ohren und Kiefergelenk bedeckt. Schaut man genauer hin, sieht man auch den Zahnschutz, den sie im Mund tragen und der verhindert, dass bei einem nicht rechtzeitig abgewehrten Schlag ein Vorderzahn kaputt geht oder das Kiefergelenk bricht. Am Ende nimmt Gerberdings Gegnerin den Siegerpokal mit nach Hause. Sie selbst wird Zweite - ihr bisher größter Erfolg. Mit 15 hat die heute 29-Jährige angefangen mit dem Kickboxen und sie hat schnell gemerkt, dass sie in der Sportart richtig gut ist.

Nach der Weltmeisterschaft fährt sie mit blauem Oberarm und geprellten Rippen nach Hause. Wer kickboxt, darf nicht zimperlich sein. Dabei ist Gerberding durchaus empfindlich: Beim Ziehen der Weisheitszähne brauchte sie die doppelte Ration Schmerzmittel. „Dadurch ist vielleicht auch der Ansporn höher, mehr auszuteilen, als einzustecken“, sagt sie und lacht. Eine schlimme Verletzung hatte sie zum Glück noch nie. Blaue Flecken, zwei-, dreimal ein blaues Auge, die Prellung – das ja. Aber Kreuzband- oder Bänderrisse, wie man sie zum Beispiel vom Fuß- oder Handball kennt, sind beim Kickboxen kein Thema. Gerberding erklärt sich das damit, dass Kickboxer auf härteren Kontakt mit dem Gegner gefasst sind, Mannschaftssportler nicht unbedingt.
 

Das Training

Janika Gerberding trainiert mehrmals pro Woche bei Kieser Training, um ihre Kraft zu steigern – eine wichtige Basis für ihren Wettkampfsport, das Kickboxen. Seit einem Fahrradunfall vor drei Jahren hat sie Schulterschmerzen, die nicht eindeutig diagnostiziert werden konnten. Sie kann beim Sport den Arm nicht mehr so gut oben halten und hat manchmal Beschwerden beim Schlagen. Um das Schultergelenk zu unterstützen, trainiert sie bei Kieser regelmäßig die Muskeln der Rotatorenmanschette. Ihre Schulterschmerzen haben sich dadurch deutlich gebessert.


Im Wettkampf muss die Kickboxerin volle Attacke auf ihre Gegnerin losgehen. Dafür ist auch eine gewisse Aggressivität notwendig. Etwas, das sie außerhalb der Matte gar nicht mag. Die junge Frau mit den langen, dunkelblonden Haaren und dem freundlichen Gesicht schätzt sich selbst als ruhig und sensibel ein, als abwartend. Aus Streitereien und Konfliktsituationen versucht sie sich rauszuhalten. Sie glaubt, dass das Kickboxen generell eine deeskalierende Wirkung hat, weil man seine Aggressionen in der Kampfsportschule abbauen kann – und nicht woanders. Und weil man bewusster mit Gewalt umgeht. Bewusster, das heißt zurückhaltender. So lernen Kickboxer für die Gürtelprüfung, auch in Notwehr-Situationen angemessen zu reagieren. Im Zweifelsfall sollen sie eher wegrennen, als sich dem Kampf zu stellen. Oder sie nehmen den Gegner so in den Griff, dass dieser nicht mehr zuschlagen kann.

Auf der anderen Seite hat das Kickboxen Janika auch selbstbewusster gemacht. Im Kampf muss sie sich behaupten, an sich glauben. Klar ist auch ein bisschen Angst dabei. Sie weiß, dass da eine Gegnerin ist, die ihr weh tun will, zumindest ein bisschen. Sie lernt, sich gegen ihr Gegenüber durchzusetzen. Und sie lernt, sich groß zu machen: „Ich laufe in den Pausen immer auf der Matte auf und ab, um der Gegnerin zu zeigen, dass ich fitter bin“, sagt Janika. Trotzdem kann es ihr passieren, dass sie ein Schlag trifft, mit dem sie nicht gerechnet hat. Danach muss sie sich erstmal wieder berappeln und blitzschnell überlegen, wie sie aus der Situation wieder rauskommt. Aber sie weiß, dass sie das übersteht. Das macht sie auch außerhalb des Sports selbstbewusster, zum Beispiel bei schwierigen Kundengesprächen: Die führt sie mittlerweile selbst – statt sich wie früher Unterstützung von Kollegen zu holen. Wer kickboxt, davon ist auch ihr Trainer überzeugt, tritt selbstsicherer auf, redet klar und deutlich und signalisiert durch die ganze Körperhaltung: Ich bin kein Opfertyp. Spätestens bei der Weltmeisterschaft 2017 in Irland wird Gerberding ihren Gegnerinnen wieder ihre Stärke demonstrieren. Ihr großes Ziel: der Weltmeistertitel.

Text: Monika Herbst
Fotos: Verena Meier